Gelüste

Einatmen und Ankommen

“Hab’ ich dein Ohr nur, find’ ich schon mein Wort;”
Karl Kraus, Zuflucht, 1917

Offen und ohne wenn und aber zugewandt
in Haltung und Verhalten
ist mir deine Hand heimliches Refugium
im Gefecht der auf- und anzeigenden Finger
der Rennenden und Ratenden

Hülle und Heim, Hof und Halt
ist mir dein Blick
ein spontan aber bestimmt zugeworfener Zeuge
Komplize im Hier und Jetzt
ohne jeden Anspruch auf eine gemeinsame Aussicht

Noch über die übermütigsten Brücken meines Verstandes
hilft mir dein Atem
indem er meinem Herzen, meinem Zwerchfell und mir
immer und immer wieder einen Rhythmus vorschlägt
und uns so einen Atemzug mindestens
weiterträgt.

Gelage

Streben und Streicheln

Ankunft bei Dämmerung, ich seh dich schwimmen. Nur einen Anruf entfernt ankert mein Herz, webt Algen in Salzkrusten, verfängt sich im Schilf, löst Wellen mit jedem Schlag und raucht heimlich im Trüben.

Unter dem Zuckerhut, hattest du geschrieben und mein Herz hatte sich eine Insel zwischen die Rieselfelder geschenkt: Fermentierte Nächte, Strand zwischen den Wimpern, ausufernde Morgenbeichte.

Gegen den Wind streichelt die Nacht der Sehnsucht um die Beine, macht alle Knie weich, die Waden lang und verlegt den Zapfenstreich gekonnt ans Meer, mich zu umgarnen bis alle Gischt ertrunken und die Morgenröte an Land.