Gelüste

Brum

Frostbeulen unter den Nägeln, Eisblumen darauf. Die Nagelhaut ein kalbloser Gletscher, gespaltet, zerfurchtet. So tief kann die Tasche gar nicht sein, dass sie das Blut der zur Faust geballten auffangen könnte, so dicht nicht das Fell, das das Toupet im Dekolleté bildet.

Jeder Schritt ist einer im Kreis und kostet eine Zehe. Coupiert ist der Fuß nur halb so groß, die Kälte lässt den Wundrand brennen. Die entstehenden Ornamente künden von einer Reise mit ungewissem Ziel und verhaltenem Strandrepertoire, die Handlinie orakelt nordwestliche Richtung.

Ein Kurztrip ins Amsterdam Englands, dem spröden Charme ein paar Stunden erliegen, dem vielstimmigen Brummen einen Magen entgegensetzen, lauschend Backsteine zählen und fluchen lernen. Einmal umarmen und zurück, währenddessen ausschweifend Pantoffeln lüften.

Gerede

Kassel mal wieder im Koma?!

Frank war mir von der ersten Minute an unsympathisch. Das lag einerseits an der Musik, die er hörte und die ich mangels Kenntnis als Experimental-Punk bezeichnen möchte, nach dem Motto “Hauptsache Lärm“, andererseits an seiner Freundin mit schwäbischem Akzent. Trotzdem lernte ich nach und nach seine anderen Freunde kennen, seine Sprache, sein Denken, seine Macken und seinen Kiez samt Bewohnern. Ratzo, den grauhaarigen Auf-Parkbänken-Sitzer-und-Biertrinker, mochte ich gleich, der hatte so was Verschmitztes. Rosi hingegen nervte mich, ohne dass ich gewusst hätte warum, ebenso wie Harry mit seiner ewigen Biobutter. Und natürlich Karla. Karla mit den schönen Augen. Karla, die ständig in Ohnmacht fiel und am liebsten Lambrusco trinkt. Karla stellte er mir als Letzte vor, irgendwie schämte er sich für sie, glaube ich, für ihre schrägen Klamotten, für ihre fleischigen Schenkel, für ihre Kasseler Herkunft. Für ihre Verletzlichkeit. Dabei war Karla es, die mich Frank letztlich doch noch mögen ließ.

Franks abfällige Sprüche taten mir manchmal weh, aber meist musste ich eher lachen. Dieser Große-Jungen-Charme hatte wohl auch bei seiner Ex gezogen, anders kann ich mir nicht vorstellen, wie die beiden zusammen kamen, sie als Jurastudentin, er als Am-liebsten-immer-noch-Punk. Irgendwann hat sie ihn rausgeschmissen, da kannte ich ihn Gott sei Dank noch nicht lange genug, als dass er mich um einen Platz zum pennen hätte fragen können. So fragte er halb Friedrichshain, bis der Akku seines Handys aufgab, er kannte sie alle.
Was ich an ihm mochte war seine Sorglosigkeit, seine Dreistigkeit im Umgang mit dem Leben und eben Karla. Herzlutschend.