Gelüste

Neulich beim Berufsberater

Gibt es nicht doch noch andere Möglichkeiten der Zukunft entgegenzutreten? Gewürznugatrührende Chocolatrice wäre durchaus eine Alternative, allein der Geruch, aber vielleicht ja doch lieber etwas Handfesteres. Mein Hirn schlägt Kapriolen und findet, vom mediterranen Klima verführt, die Mafia als Arbeitgeber und Familienersatz gar keine so schlechte Idee. Man müsste sich nicht viele Gedanken über adäquate Kleidung machen, denn der Dresscode ist eindeutig und schwarz. Die Arbeitsbedingungen sind hart und Sensibilität nicht von Vorteil, aber eine gewisse Gewissenlosigkeit vorausgesetzt, dürfte das erfolgreiche Hocharbeiten in den Hierarchien kein allzu großes Problem darstellen.
Würde es mir schwer fallen über Leichen zu gehen? Wären mir meine irgendwann einmal absolvierten Mediatorenkurse von Nutzen? Meine interkulturellen Diskurse? Oder meine Reisefreudigkeit? Würde es mich (über-)fordern, ein Doppelleben zu führen? Ein Waffenschein wäre wohl von Nöten, aber den könnte ich bestimmt nachreichen. Aber wie bewerbe ich mich ohne wenigstens einen Schwippschwager bei der sizilianischen Mafia zu haben? Casten die mittlerweile auch im Internet? Kann ich mich offen als Frau vorstellen oder wäre bereits hier die Möglichkeit, zu zeigen, dass meine Identität flexibel und ich geschlechtlich erst recht nicht festgelegt bin?
Oder doch lieber den ehrlich-offensiven Weg und direkt nach der Frauenbeauftragten fragen? Eine weibliche Mafia gründen, die auch Weiblichkeit als Waffe kämpft und deren Männer für die Mafiosas kochen? Innovativ sozusagen und dann in einem Aufwasch auch international und offen für sonstige Minderheiten, Langhaarigenquote und eine antiautoritär agierende Gewerkschaft als unverhandelbares Grundgesetz!

Eventuell könnte ich das ja sogar verbinden und als bürgerliche Existenz eine Chocolaterie führen, verführerisch betörend mittels heißem Karamell und Gianduja, im Hinterzimmer jedoch Mentholzigaretten paffende hochkalibrige oberlippenbärtige Damen im Disput über Eva-Prinzip und Heldentod vereint.
Hachja!

Gelüste

Gelbsucht

Ohrläppchen Richtung Telefon, die Lippen zur Suppenschöpfung gespitzt wartet mein Hirn auf bunten Blätterregen diesseits des Hypothalamus. Der Himmel stürmt Wolkenfetzen hinterher, die sich auf deiner Iris spiegeln, dein Oberlid flattern und mich unsicher machen.
Du sagst, er malte mit Farben, die das Licht schluckten und dann war da auch noch der sich über die Jahrhunderte angesammelte Staub, der das letzte Leuchten dämmern machte.
Geduld, flüstert der Schatten über meiner Schulter, Geduld. Farbenmeere wirst Du erneut kreuzen, barfuß über grünfunkelndes, kieselsteiniges Warm mäandern.
Ich aber will nicht warten, ich will Gelb!