Geliebte

Vier Käse für ein Halleluja

« Comment voulez-vous gouverner un pays où il existe 258 variétés de fromage ? »
Charles De Gaulle

 

Einer kam aus Paris, einer fragte nach Sonnenschein, einer versuchte sich als das Salz in der Suppe. Einer blieb lieber allein.
Einer wusste sprachlos zu überzeugen. Einer gab sich anfangs spröde. Einer zerging auf der Zunge. Einer verlangte nach Messer und Gabel.
Einer krümelte schon am Eingang. Einer duftete durch die Tür. Einer wartete geduldig auf Einlass. Einer ließ sich nicht zweimal bitten.

Quatro Staggioni | Vier für ein Halleluja

Einer verlangte nach Butter. Und Brot.
Einer wollte nicht als erster dran glauben.
Einer zählte bis vier und blieb trotzdem sitzen.
Einer fiel unverlangt auf die Knie.

Einer schmeckte nach Sommer.
Einer glänzte durch Schönheit.
Einer beliebte zu scherzen.
Einer schmeckte nach Meer.

Denke ich an Käse…

Denke ich an Käse, denke ich an Berge. An Almen und Bergkräuter, an Hänge und Waldränder, an Himmel und Milch, an das Melken und das Lab, an den Käser auch und ja, auch an die Kühe.  Denke ich an Käse, habe ich einen Geschmack auf der Zunge, einen Duft in der Nase und einen Schmelz auf den Lippen. Käse ist mir immer auch ein haptisches Vergnügen, Langschläfer auf den ersten Blick und gerne in guter Gesellschaft.

Käse freut sich, wenn man ihn genießt, dessen bin ich mir ziemlich sicher. Käse lächelt in Duftnoten, lacht sich beidseits des Schimmels unter die Rinde und schmilzt bei Komplimenten ohne rot zu werden über den Tellerrand. Käse ist sich seiner Weichheit wohlbewusst, Käse riecht gerne. Und zwar gut. Käse kann sehr gut alleine, mag aber auch manchmal mit aufs Brot oder über den Auflauf genommen werden. Käse nimmt es dir nicht krumm, wenn du ihn mit den Fingern isst. Im Gegenteil.

Innere Werte & guter Geschmack

Käse wartet geduldig bis zum Schluss, dann aber hätte er schon gern einen kleinen Auftritt, möglichst noch vor dem Espresso. Käse atmet gern. Käse mag es nicht zu kalt und gerne sorgfältig eingepackt. Käse liebt Obst und Gemüse und wer ihn nach seinem Namen fragt, seiner Herkunft und was er denn mitbrächte, dem kann er viel erzählen. Wenn er denn mag. Käse ist gern sofort per Du. Käse weiß alle Brotsorten auswendig. Käse kann gut alt werden, wenn man ihn lässt. Käse verrät mitunter erst beim Wein sein wahres Gesicht.

Und dann war ich plötzlich mit den Vieren allein, ein Messer in der Hand und das gute Gefühl, viel Zeit füreinander zu haben. Wir näherten uns langsam an. Erstmal gucken, ob das gut gehen kann. Schnuppern, was in der Luft liegt. Wer wohl den ersten Schritt wag? Ein, zwei vorsichtige Krümel später wussten wir, das könnte was werden mit uns und wurden langsam warm miteinander. Wann wenn nicht jetzt, schien der Besuch aus Paris zu flüstern, und er hatte ja Recht. Bereitwillig schmiegte er sich auf die erstbeste Scheibe und machte so den Weg für eine Jause bereit. In der Halbzeit wurden Getränke gereicht und man verabredete sich für ein weiteres Mal in nicht allzu ferner Zukunft. Das mit der Contenance war jedenfalls gegessen, jetzt war Freundschaft.

PS: Vielen Dank an Ursula Heinzelmann.

Gemäuer

Wien weiß zwischen den Zeilen mit Kunst zu klimpern

Der Wiener November trumpft mit leuchtenden Srtaßenlaternen auf, Schaufenster stehlen sich gegenseitig die Schaue, die Traditionskonditorei Demel wartet heuer mit Kaiserschmarrn to go aus einem der Fenster auf. Standing Ovations von Touristen wie Einheimischen, das Vater-Tochter Duo, das mit einem verschwörerischen Blicke-Tausch unter Fell-umsäumten Kapuzen das heutige Abendessen hier stattfinden lässt, löffelt selig im Weggehen. Ich ziehe weiter, Museen stehen auf meiner Liste dieses Mal, das von den Globen ist klein, ein Obergeschoss im ersten Bezirk erzählt die Geschichte der Globen dank Wiener Sammler-Bestände eindrücklich an vielen Beispielen groß und klein. Das Weltmuseum hatte mich schon lange angestrahlt, doch bisher war es sich nie ausgegangen. Mein Glück, denn aktuell warten zwei außerordentliche Ausstellungen auf die Besucher, die sich von der hochherrschaftlichen Fassade nicht abhalten lassen, “einfach” hereinzuspazieren und mitzudiskutieren. Denn eigentlich möchte das Weltmuseum einladen, ausprobieren, mitspielen, es schaut nur so ernst. Wirklich!

Südbahnhotel, Sommerfrische, Semmering

Am Wochenende folgte ich trotz abnehmenden Lichts und zunehmen einstelligen Temperaturen einer Einladung in die “Sommerfrische”! Sommerfrische heißt im Atlas “Semmering”, liegt eine Stunde vor Wien und hat eine kleine feine Sammlung Villen und Grandhotels am Start. Größtenteils etwas in die Jahre gekommen und vom Charme her eher Marke “war mal was, konnte mal was, gehörte mal wem”, aber verschneit und mit Nostalgie-Filter so was von eine Reise wert.  Das Großartigste auf vielen Gebieten ist sicherlich das Südbahnhotel, in verschiedenen Bauabschnitten gebaut, nach verschiedenen Interimsnutzungen und Leerständen, mit einer lasziven Baufälligkeit gesegnet, bietet es aktuell unter anderem dem österreichischem Entfant Terrible der Filmszene Paulus Manker und seinem Filmschaffen, etwa in Sachen Alma Quartier. Davon zeugen unzählige Requisiten und die wie eben nur für den Tag verlassenen Zimmer und Teamräume der Crew-Mitglieder. Wohl dem, der eine Kamera mit gebracht hat.

Warum Drei Töne kein Dreieck Bilden

Aber auch von der Klettenheimerschen Kleinkunst im Achten lasse ich mich dieses Mal verführen, ich besuche das Volkstheater anlässlich eines Auftritts des legendären Beschwerdechors und ich lasse mich auf Katharina Grosse ein, die in der Albertina einen ganzen Raum mit Farbe in beschlag nahm, nachdem ich ihr in Berlin, zwar unabsichtlich, aber trotzdem immer aus dem Weg gegangen zu sein schien.

Albertina, Wien/Vienna (01.11.2023–01.4.2024) © Katharina Grosse / Bildrecht, Wien 2023, Ausstellungsansicht, Foto: Sandro E. E. Zanzinger Photographie (2023)

Die eingangs gestellte Frage, warum Drei Töne kein Dreieck bilden kann ich danach zwar nicht beantworten, aber ich habe sie mir immerhin gestellt und beschlossen, mehr Farbe zu tragen und rauszufinden, wie das klingt – in meinen Ohren und denen derer, die mich betrachten. Ich ziehe weiter durch den Zweiten bezirk (viel), den Neunten (neue Liebe), den 15. (Schmelz! – die heißt wirklich so und ist eine Kleingartenanlage). Und diesesmal bei Schneefall mit der Bim bis nach Nußdorf raus auf einen Spaziergang am Donauufer entlang, soweit die Füße trugen, ohne zu Eiszapfen zu werden.