Generika

Flügel verleihen

Herbstblüte | Anne Seubert

Von den guten alten mit den speckigen Spitzen, von den neuen leichten, die im Wind kaum mehr weichen, von den riesigen runden, die von selbst abheben, wenn du den Atem zu dir nimmst.

Flügel verleihen,

fingerfertig dir zwischen die Schulterblätter, dir auf die  Rückseite, dir zwischen die Seiten, rechts und links, ankernd, da, wo die Muskeln ihre heimliche Mitte finden, wo du anziehst, wo deine Finger nicht hinkommen, nur meine.

Flügel verleihen,

Nicht auf ewig, nicht einmal für den Moment oder bis gleich, bis zum nächsten Schritt und zurück vielleicht, eher aber auch gern genommen, in ganzer Tragweite zur Verfügung gestellt für einen Flug oder auch nur einen Versuch.

Flügel verleihen,

Du mir oder ich dir, Fluchthelfer im Doppelpack, kaum auszumachen gegen das Licht, erst im Wind wirklich da, unter einem Himmel sich breit machend, den du wählst und gegen die Erde tauschst, zwei Beine plötzlich zu viel.

Gelage

Wasser wagen

Das Wasser ist dir näher gekommen, hat sich eingefunden zwischen den Welten, zwischen Boden und Luft eine Zwischenebene eingezogen, die Erdverwaltung weiß von nichts, und zur Einweihungsparty sogar den Sonnenuntergang für ein Stelldichein gewonnen.

Das Wasser hat sich dir anvertraut, zunächst zögerlich, dann zunehmend sicherer werdend und schließlich kokett dir den Ball mitsamt der Wellen zwischen die Beine gespielt. Du konntest gar nicht anders, als zu tanzen.

Das Wasser hat dich ins Schwimmen gebracht, dir die Argumente aus der Hand und den Wind aus den sowieso schon brüchigen Segeln genommen, dir die Ballen bloß gelegt und die Schatten flüssig werden lassen, erst nur für einen Tanz, später für das ganze Album.

Bereits vor dem Abspann war der Mietvertrag unterzeichnet, deine Knie noch in Bewegung, auch die Scheibe drehte sich weiter. Und dann wagtest du endlich eine Berührung, einem ko-kreativen Zittern nicht unähnlich, die den Sonnenuntergang ins Stocken und mich am als kussecht deklarierten Horizont zweifeln ließen. Chapeau!