Gestern

Knecht Adolf

Es gibt Menschen, die kommen zur falschen Zeit am falschen Ort zur Welt und also tut die Welt so ziemlich alles um sie wieder verschwinden zu machen. Sie hat dazu ein breites Repertoire zur Verfügung, physische und psychische Maßnahmen wären zu nennen, neben individuell angestimmten Schicksalsschlägen, im Notfall greift sie auf umfassende Epidemien und Atomstörfälle zurück.
Im hier erzählten Falle schien das alles viel zu groß. Man versuchte es mit Elternsterben und unfreundlichem Ersatz, sowie zu groß geratenen Dosen an Hunger und Durst. Zum Töten zu wenig, zum Leben zu viel. Das Individuum überlebte merkbar angeschlagen.
Das Leben murrte und zeigte sich weiter möglichst uncharmant und rau, doch das Individuum rebellierte nicht ewig, passte sich nach und nach an, zog sich zurück und skizzierte sich ein Universum jenseits dieser Welt. Das kränkte diese, war das neu Erschaffene keinesfalls als B-Movie zu bezeichnen, sondern seinerseits kraftvoll bunt und lebendig. Und es wuchs. Es entstanden neben Skizzen Melodien, Farben und Formen in überwältigender Vielheit, ineinander verwoben, so dicht, dass ein Boden möglich wurde.
Die Welt, aber, ist keine gnädige, die sich das Zepter aus der Hand nehmen lässt. Ob Knecht, ob Künstler, ob Trotzkopf oder Mitläufer, sie behielt ihren Trumpf in der Hand und spielte ihn süffisant lächelnd zu gegebener Zeit aus: Magenkrebs. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass ein Universum nicht so einfach zu vernichten ist, das Individuum mochte dahinsiechen, Adolf Wölflis Welt bleibt uns als Wunder erhalten.

4 Gedanken zu „Knecht Adolf“

  1. amadea sagt:

    Sehr schön, noch nie von ihm gehört.

  2. wort_geflüster sagt:

    die welt als alleinschuldige …
    dafür werden dir einige dankbar sein.
    😉

  3. kopffuessler sagt:

    @ wort_geflüster: Ich nehme Dankbarkeitsbezeugungen jederzeit gern entgegen. 🙂

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