Gestik

Monochrom

Ich möchte meine Kletten nicht missen, möchte sie mich umranken wissen. Ich möchte das Grün weiterhin hören, das Nuscheln der Flechten unter meinen Achseln, das Summen des Mooses auf meinen Knien, das Gezirpe der Sukkulenten im Nacken. Ich trage den Wald mit mir, die Misteln, die sich zwischen meine Finger webten, so dass die Faust ein Ding der Unmöglichkeit wurde. Farnplantagen unter meinen Fußsohlen erübrigen das mühselige Schuhbinden, spenden Feuchtigkeit und Wärme, schützen die Ballen. Die Ferse bleibt hornlos weich, es geht sich wie auf Torf, nachwachsend. Gelegentlich bis regelmäßiges Fußbad – Eichenrinde oder Kamillenblüte – tut allerdings Not, Farn gehört in der Beziehung zur Familie der Reispflanzen.

Meinem Wald aber fehlen die Bäume, die meterdicken Stämme, die sich zu einer Säule in meiner Leibesmitte sammelten und doch Lichtungen böten für junges Grün. Für das helle Zarte, für Gräser und Schachtelhalme, indem sie ihm das dunkle Kräftige gegenüberstellten, undurchdringbar. Es fehlen die weitausgreifenden rauschenden Kronen, die mein Gesicht verschatten könnten, es bergen bei Kälte und Wind. Mit von einer bunten Schar Epiphyten bewachsener Äste, die hielten was sie in ihre Zweige packten, Jahrzehnte und länger noch. Samt Gabelungen, die baumauf, baumab Wege böten mit oder entgegen der nahtlos rindenbedeckten Maserung.

Behutsam möchte ich deinen Blick, mir das Moos lassend.

3 Gedanken zu „Monochrom“

  1. Ole sagt:

    Vielleicht ist es Zeit für Pans Labyrinth.

  2. amadea sagt:

    Schön.

    Leben wie ein Baum
    Einzeln und frei
    Und brüderlich wie ein Wald
    Das ist unsere Sehnsucht.

    Nazim Hikmet

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