Gestern

Speronis Spirenzchen

Von den Texten Sperone Speronis, Sohn des Bernardino Speroni, Beinahe-Lehrer des Torquato Tasso, der seinerseits im Dienst des Guglielmo Gonzaga stand, wird gesagt, sie paradoxalisierten. Dabei schränkt er dialogische Geltungsansprüche von Komödienparallelen ein. Im Übrigen ist Speroni Professor für Logik. Und für Philosophie. Nebenbei ist er Jurist. Und Theaterautor. Seine ersten Dialoge fielen der Zensur zum Opfer, bei seiner Verteidigung verglich er die Charaktere seiner Dialoge mit den Kochzutaten Brot, Fisch, Anchovis, Mehl, Pfeffer und Thunfisch, sich selbst mit dem dazugehörigen Koch. Er konnte nicht überzeugen, seine Werke landeten auf dem Index.
Zuletzt stellte sich Sperone Speroni die Frage nach der Kunst der Geschichtsschreibung. Er zweifelte, ob es überhaupt eine sei. Er begann einen Dialog über diese Frage, den er leider nie zu Ende schrieb. 1588 starb er in Pisa ohne Antwort.

Spätestens Hegel gab sie unmissverständlich in seinen Vorlesungen über die Ästhetik:
»Dennoch gehören auch diese schönsten Produkte der Geschichtsschreibung nicht der freien Kunst an, ja selbst wenn wir auch noch die äußerlich poetische Behandlung der Diktion, Versmaße usf. hinzutun wollten, würde doch keine Poesie daraus entstehen. Denn nicht nur die Art und Weise, in der die Geschichte geschrieben wird, sondern die Natur ihres Inhaltes ist es, welche sie prosaisch macht. Wir wollen hierauf einen näheren Blick werfen.«
Innere Werte also, Substanz, nix Spirenzchen.

7 Gedanken zu „Speronis Spirenzchen“

  1. King Fisher sagt:

    Nun, vielleicht wäre ja auch Speroni zu diesem Ergebnis gekommen, wenn er nur mehr Zeit gehabt hätte.

  2. Ole sagt:

    Innere Werte… Blutzuckerspiegel, Cholesterinspiegel, Hämatokritwert…?!

  3. kopffuessler sagt:

    Liebstes Fräulein MTA, werd ich mit diesem Manne glücklich?

  4. Jakoeble sagt:

    Man kommt ins Grübeln und fragt sich, ob nicht die Geschichte (Historie) als solche Kunst ist, dann ist alles darüber Geschriebene automatisch Kunst. Oder? Auf jeden Fall feierte Signor Sperone Speroni dieses Jahr seinen 450sten Todestag, das ist doch auch was.

  5. Jakoeble sagt:

    Natürlich war es der 420ste. Man eilt der Zeit so schnell voraus, wenn man grübelt.

  6. kopffuessler sagt:

    Nicht zu viel grübeln, bitte, lieber eine Runde künsteln auf das 120ste Spirenzchen meinethalben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.