Gestern

Was vom Samstag übrig blieb

Kerzengrade durch die Woche soll ich gehen sagt der Kalenderspruch, nicht der aktuelle, aber der letzte, der mir untergekommen. Mit einem gerollten Handtuch unter der Wirbelsäule solle ich schlafen, gab mir die Physiotherapeutin mit auf den Weg, als ihre Hände meine Flanken vorerst zum letzten Mal bearbeiteten.

So denn also sonntags Brote kiloweise in mich gefüllt, reichlich belegt oder auch pur mit nichts als Salz, auf dass der Magen spanne und der Brustkorb sich unwillkürlich öffnen müsse, die Schultern weiten, das Kreuz breit machen. Stattdessen Übelkeit geerntet, Akne und Schuldgefühle. Die Haltung ruiniert, die Poren statt der Schultern geweitet, gekürzt statt relaxed, kein Bock auf Abenteuer welcher Art auch immer, Chance des Lebens hin oder her.

Am Montag dann den Tag begonnen noch vor Sonnenaufgang mit Stretch und Co und belebendem Tee. Termine gejagt und Kaffeepausen geschwänzt, schließlich gar die Telefonleitung gekappt und dem Herrn Konsul am anderen Ende der Stadt den Brief persönlich vorbeigebracht. Ein, zwei Röcke gekauft und einen Termin zur Pediküre vereinbart, die Temperaturen gaukelten was von Frühling und Vorbereitung macht gelassen.

Dienstags wurden Ratschläge geprüft und das hirneigene Sprachenzentrum auf Englisch umgestellt. Das Rotgepunktete setzte Zeichen (auch durch!) und der Chef lächelte plötzlich mit französischem Akzent. Entscheidungen getroffen, Strategien an-, um- und durchgesetzt und den international flanierenden Agenten nicht nur zum Reden, sondern gleich auch zum Flirten gebracht.

Mittwochmorgen Bilanz gezogen und den Visitenkartenstapel einer ordentlichen Inventur unterzogen, ausnahmslos alle Ärzte sofort, alle Politiker nach kurzem Zögern aussortiert. Die verbleibenden um den nachmittäglichen Kuchenteller drapiert und beschlossen, ein Stück Schokokuchen sollte darauf nicht alleine liegen. Den Kollegen also mittags ausgeführt und dreierlei Obsttorte erstanden, passend zum spontan imaginierten Einstecktuch des potentiellen Gesprächspartners.

Donnerstagabend dann war Schluss. Ausgebranntes Häuflein Elend ich. Pause war angesagt. Pause vom Außen. Auch vom Nebensatz. Vom Innengetier sowieso. Vom Hunger wie von selbst auch, nur der Durst blieb und ließ und ließ sich nicht besänftigen, auch nicht mit Milch, der altgedienten Geheimwaffe. Das Display zeigte unverdrossen plusminus 400.

Freitag hieß Endspurt, das letzte Trikot aus dem Schrank genommen und all Reserven aktiviert gelang ein Tag wie im Rausch. Deadlines wurden überholt, Ideen sturzgeboren, und im Angesicht des zum Greifen nahen Wochenendes fanden sich Energien noch und nöcher. Noch der Feierabend wurde im Laufschritt genommen, der Aufzug zur abendlichen Oase ignoriert stattdessen die Treppe, zwei Stufen auf einmal, lachend und erst ab dem vierten Geschoss atemlos erklommen.

Was vom Samstag übrig blieb? Ballrauschen und El Shalom heißt aus Berliner Mund Elfriede.

6 Gedanken zu „Was vom Samstag übrig blieb“

  1. mq sagt:

    Solange der Durst bleibt, gilt die Regel: Sieben Bier ersetzen eine Mahlzeit – und dann hat man noch nichts getrunken!

  2. kopffuessler sagt:

    Bei mir zu Hause sagt man hingegen: Lasserwasser unerreicht, sieben g’soffen, vierzehn g’seicht.

  3. schneck06 sagt:

    hingegen hier heisst es: was de weinst brauchste nich pissen!

  4. amadea sagt:

    Ach, wie schön du das geschrieben hast.
    Ich habe diese Woche vor allem Schifahren und Fasching. Und das verordnet. Vom Dienstgeber.

  5. kopffuessler sagt:

    @schneck06: meine tränen brauchen keinen weiteren cheerleader, danke.

  6. kopffuessler sagt:

    ich plädiere für eine gerechte verteilung solcher verordnungen, amadea. kann ja wohl nicht angehen, pah!

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