Gestern

Kulinaria on the street

Nackten Arsches sich auf den herbstlichen Asphalt schmiegen, die Kniescheiben an die Bordsteinkante gepresst. In der handbeschuhten Faust dabei stets ein Freudenfrollein am Stiel und in der himmelwärts sich ausbeulenden Manteltasche ein Nussgipfel allererster Güte. So, und gerne auch mit ihr, stellte er sich novemberliche Sonntagnachmittage bevorzugt vor. Meist endeten sie leider weit entfernt von jeder seiner Vorstellung auf einem allzu grünen Kaschmirsessel, eine blondtoupierte, kräusellippige Dame an der Teetasse gegenüber und einem eingeschweißten, halbierten Creamcheese-Bagel auf dem Platzteller.

Vorgestern aber hat er, so unverhofft wie detailliertes geplant, drei Straßen weiter als üblich, dort wo die Stadt zum Dorf mutiert, im Schaume der Skoliose-gebeugten Dämmerung den Anblick ihrer Mondscheinbrüstchen in trauter Zweisamkeit genossen. Die Sehne seines Ringfingers war Zeuge wie drei seiner stets unter 37°C kühlen Fingerkuppen die bleichen Panoramen Quadratzentimeter für Quadratzentimeter mit Schweiß bedeckten und solchermaßen in zarten Schein versetzten. Seine Zungenspitze fabulierte derweil von mild-mediterranem Steinpilzrisotto und dem Duft von Gläserweise leuchtendem Grauburgunder.

Es ist natürlich mitnichten der Fall, dass obenbeschriebener Herr, und als solcher ist er ohne Zweifel zu bezeichnen, mir näher bekannt wäre. Aber die einzelne graugefärbte Wimper nordwestlich des polychromen linken Augapfel des Mannes, der mir heute früh für den Kauf der aktuell in ausgewählten Supermärkten dargebotenen gelben Balistos – Limited Edition um wertvolle Sekunden nur zuvorkam, bestach mit ihrer geradezu atemlosen Beredsamkeit in einer mir bis dato unbekannten Intensität. Und so wusste ich in der darauffolgenden gleichen Minute um meine Rückkehr mit leeren Hände wie um seinen letzten Samstagnachmittag.

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