Gesuche

Viel Wut, wenig Boden

Gründeln im flaschengrünen Bereich. Man verzeihe die Sehnsucht nach den Lauten des Portugiesischen, dieses zart-raue, erdig-flüchtige, diese Krachmandel-aromatischen Schnalzlaute. Wunsch nach gnädigem Gefühl macht sich breit, nach konjunktivloser Wohligkeit nach Rätsellösung und Lustgewinn.

Im Hier und Jetzt: Berlin. Stadt der Fashionistas und Diplomaten, der Biologisch-Wertvollen und der digitalen Freimauerer. Wohlfühlort, auch mir. Auch mir: genussverzehrendes Ungetüm, trotzig-widerhäkelnde Klette. Im Hier und Jetzt auch: Zwischenraum ohne Nutzungsplan, viel Wut, wenig Boden. Noch mehr Angst.

Denn ranzig nicht nur das Gesicht, das sich von Arzt zu Arzt mit weniger Lächeln schleppt, ranzig auch der Mut, der, vom Herz erst in die Kniekehlen, mittlerweile nahe des Fußpilzes gerutscht ist. Der Schmerz lässt und lässt und lässt nicht nach und der Morgen, die Zukunft, das Leben danach, wie immer man es auch nennen will: es will nicht dämmern.

6 Gedanken zu „Viel Wut, wenig Boden“

  1. monolog sagt:

    Da hilft nur ein: Die Nacht zum Ziel erheben, wenn schon die Dämmerung sich nicht zeigen will. Irgendwie muss man diesen Dingen doch beikommen, ihnen ihre Bedrohlichkeit nehmen.

    Zur Not einen Schneemann bauen, ich habe es fest vor fürs Wochenende. Vielleicht kommst du mit Möhre und Kohlenstück einfach mit.

  2. kopffuessler sagt:

    Alles nur nicht nachts wach bleiben, bitte. Meine Möhren wollten geröstet statt in den Schnee gesteckt werden, konntest du eine zum Märtyrerdienst überzeugen?

  3. monolog sagt:

    Leider nein, da ich selbst zum Märtyrerdienst (tödlischer, ansteckender Männerschnupfen, der mich doch noch einholte) herangezogen wurde. Darüber hinaus bezweifelte ich bereits im Vorhinein, dass es überhaupt noch Schnee, der nicht bereits Eis ist, gab.

  4. Mathilde sagt:

    Mit Verlaub: Nichts gegen Diplomaten …

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