Gestik

Palimpsest der Blickwinkel

Die weitgewinkelte Linse ein Schwert, das die vorbeieilenden Wände in Grate teilt und aus Schatten polyphone Sinfonien komponiert. Die abgebildeten Diagonalen, nur auf den ersten Blick zweidimensional, lehren mich Betrachter Pythagoras am steinernen Modell. In der Spiegelung die Offenbarung, in der Ebene den Grat gesucht und die perfekte Komposition gefunden, ziehen seine Bilder Blicke in Bann.

Würde entsteht immer, wenn die Begegnung respektvoll aber offen und ebenso zurückhaltend wie zärtlich gestaltet wird. Hier steht im Fokus dieser eine Moment, der so vergänglich wie zeitlos, so allumfassend wie prägnant. Und so berückend wie unnahbar werden aus verschatteten Winkelhalbierenden sehnsüchtiges Fleisch, aus lebhaften Silhouetten geometrische Harmonie.

Und im Hintergrund ruft wissend lächelnd eine Stille, den Alltag und seine Geräusche mit Leichtigkeit überdeckend, das Licht bündelnd und erfolgreich den zweiten Blick herausfordernd. Der, wenn alle Linien abgetastet, jedes Detail erkundet, der Schalk zwischen Fotograf und seinem Objekt dankbar entlarvt, noch einige Augenblicke in der Totale ruht.

4 Gedanken zu „Palimpsest der Blickwinkel“

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