Gelage

Die schüchterne Gesellschaft bittet zu Tisch

gleich nochmal | © Anne Seubert

Die schüchterne Gesellschaft serviert à la carte, verrät die Einladung, man habe pünktlich zu sein und wortarm. An der Tür wartet ein aus der Hüfte geschossenes Lächeln, zielt auf den Tisch an der Ecke. Ein Blinzeln und drei Kommata später heisst es Entrée und wir sitzen nebeneinander. Dem Koch über die Schulter ist nicht, aber der Duft aus dem Topf, der den Hauptgang innehat, weiß, wie man mich erreicht, berührt ohne anzukommen wie ein Strom ohne Ufer, ein Wert ohne Fakt, ein Schmerz ohne Wunde, Verstand im Hausverbot.

Du bleibst erste Klasse sitzen und gehst mir nicht aus dem Kopf, gehst über auf Los, ziehst alle Register und mich aus ohne einen Finger zu krümmen, fast scheint es, als flögest du unter dem Radar, hinter den Augen, da wo kein Tageslicht, kein Boden, kein Horizont je Einlass. Das Menü à la Carte hätte ich bestellt, weiss dein Blick, der Kellner und Crew um den Tresen auch, die 17 gemeint und die 27 mit extra Öl im Feuer – stattdessen all you can eat bekommen und den Tisch mit dir: Schüchterne und Kaffeetrinker zuerst, der Tee zieht noch.

Vor dem Gang ist nach der Pause, die wir schwänzen, um unter dem Tisch zu kehren, was sich auf die falsche Seite geschmuggelt hatte: Flausen und Fellmützen, Federn und Fabeln – die Stille, die bleibt wenn die Freude des Erkennens überhand und die Kniescheibe ins Gebet nimmt. Erst zittern, Baby, dann Nachtisch! Das Öl hält dem Koch die Stange, mir die Lippen feucht und den Wag aus der Karte zur Bar mise en place. Eis oder Kuchen? Wir entscheiden uns für ein Plätzchen, an dem wir bleiben wollen. Und dann holst du Luft und ich Obers, wage eine Abfahrt bei Rot und du so: Schuss!

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