Gelage

Meine Liebe ist kein Einzelkind

Begräbnis, Brandenburg, Germany | © Anne Seubert

Du schlägst die Augen nieder, das Heft auf, die Wolken in deinen Bann und das Wasser in Wellen noch ehe die Knospe geschauert oder ihre Mitte gefunden, von der Blüte gar nicht zu sprechen. Meine Stunde aber ist aus dem Takt, berührt dich je nach Zeitrechnung um ein, zwei Minuten verspätet, stellt dir nach, stellt dich in den Schatten, den Rücken zur Sonne, you know why, und das Gras ausser Bissweite.

Erinnerst du dich, fragt deine Stimme uns aus dem Off, du bist nicht gekommen und hast mich gleichsam mit Leben gefüllt, erfüllt, geflutet, bis über beide Münder satt und somnambul bereit zu ruhen gelegt zwischen Laken, die mehr Nacht als Weissraum dich willkommen hießen wie einen ersten Satz auf einem Blatt Papier, das eben erst geschöpft. Ich erinnere mich, Kapitelbändchen für Kapitelbändchen bis in den zweiten Akt, als du auftratst und ich die Schatten hinter Glas packte, Milch versteht sich.

Das Holz ist noch warm, splittert in Spänen, die die Zukunft mir unter die Haut treiben wie deinen nackten Zeh, den du unter meiner Decke wissen möchtest, auch wenn der Wecker längst die Aufsicht übernommen hat, oder gerade dann. Die Jahre hast du nie gezählt, hast Sommer und Winter zwischen die zunehmend herbstlosen Reigen gedrängt, in schenkelweitende Sonnenaufgänge geflochten, was du erinnert haben wolltest, und hinters nackte Ohr geflüstert, was verinnerlicht. Mein Nabel kennt was du geheimratsecken umschiffend öffentlich machtest, wenn du dich vergaßt: Meine Liebe ist kein Einzelkind.

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