Gelage

Aggregatzustand Mensch

Um den zeitweise größenwahnsinnig gewordenen Verstand der letzten Jahre hast du dir einen Leib gewunden, bauchnabelzentriert, eine Hüfte gezimmert und ein Becken gerundet, ein Lächeln gewagt, das Zähne zeigt und endlose Sommer verspricht. Hast Fingerbeeren gedrechselt, auf dass Berührungen saftig und die Erdbeeren neidisch. Hast dir den Hunger zum Gesetz, die Gelassenheit als Haltung implementiert und den Genuss als default eingestellt. Cleveres Kerlchen, du.

Mit Haut warst du großzügig, das verwundert mich nicht. Ein wenig dünn ist sie stellenweise, war das eigentlich Absicht? Dass er das Herz hört wenn er vor ihr kniet und seinen schwergewordenen Kopf bergen möchte? Dass du die Muskeln spielen spürst, wenn du dir durch die Schultern blätterst? Dass das Begehren dir ins Gesicht geschrieben steht, selbst wenn du es unter der Decke halten möchtest.

Die Angst hast du eingelagert, am rechten Kniegelenk, sie murmelt leise, macht sich nur bemerkbar, wenn du zu schnell um die Ecke biegst, wenn der Atem dir nicht knapp werden will, auch bei Kilometer 15 plus. Wenn dir einer in den Nacken fasst, das Haar bündelt und dir ein Angebot ins Ohr flüstert, das du nicht annehmen solltest aber tust. Gut, dass der Wille den Schattenmann spielt, immer in Rufweite und nie an der Leine.

Gelage

Himmel, halt Abstand!

Ach, wenn doch schon oder vielleicht doch wenn lieber nie und wenn du und er endlich, aber endlich heisst ja immer auch Ungeduld. Dulden, was unter dem Radar zumeist, auf den letzten Metern deutlich wird. Die zarte Eile, die du unterm Rock trägst, nicht in den Fingerspitzen. Die ruhen sanft zwischen ERT und OPÜ, immer bereit den nächsten Konsonanten willkommen zu heißen und zwischen zwei Vokale zu betten. Auf dass ein Wort sich bilde, dass du aussprechen mögen würdest. Oder doch zumindest niederschreiben. Auf Papier wagen. Ins Weisse schicken.

Ins Weisse, dahin, wo Kontrast droht, denn sie selbst sind zumeist obgleich zarte Wesen dunkelst in Gestalt. Ganz anders du: Licht auf den Lippen gleitest du durch den schlüpfrigen Alltag und nicht selten wünsch ich dir mindestens die Hälfte meiner Verlegenheit ans Bein. Verlegenheit, die du abschütteln würdest, wie diesen nicht gehen wollenden Winter, der uns alle in die Knie zwingt, nur du und deine Sieben-Sorgen-Stiefel stapfen behend eine Saison weiter und kredenzen das Frühjahr an offenem Fenster mit Schaumkronen im Haar.

Sehnsucht, hab Acht, du könntest ein Ohr finden, schaumumkränzt möglicherweise aber blanchette deluxe am Hamburger Bahnhof. Hof haltend standen wir Schlange im letzten Wintergetümmel, die Hipster waren Zeuge wie wir Rosefeldt buchstabierten und später dann Cate verfielen, wie sie Müll schichtete und Stullen Feder führen ließ, Berlin war Groupie und Pflaster zugleich. Pflaster für alle Wunden auch, die dein Lächeln zwar zu stillen, aber nicht zu haschen vermochte. Himmel, halt Abstand, wir üben noch!