Geliebte

Schatten, Licht und Sterne

Schwarzlicht | c Anne Seubert

Unter dem Schatten trägst du das Licht, das der Stern übrig ließ, als er sang- und klanglos versank. Unter dem Lid trägst du die Spreu vom Weizen, bei jedem Blinzeln den Hauch einer Ähre preisgebend, aus Sand gebaut. Unter dem Rock aber trägst du die Scham, wie einen blinden Passagier, der nicht aufs Klo darf.

An der Wand lächelt die Zuversicht spröde zwischen Raufaser und Fensterrahmen ein Stück Mauer bloßlegend. An der Tür erst fragst du nach meinem Namen und klingelst dann doch nicht. An der Schenkelinnenseite entlang führst du deine Träume über Bande und brichst uns dann doch übers Knie, Scheibchen für Scheibchen.

Im Kreis drehst du dich auf die Seite und findest den Uhrzeigersinn neben dir schlafend. Im Schlaf sprichst du die Sprache der Sterne, verführst die Nacht unter die Decke und hälst den Schatten in Schach. Im Grunde schläfst du besser im Dunkeln, aber das Licht hält die Träume wach.

Geliebte

die nacht auf schicht

 

Eintauchen | © Anne Seubert

deinen atem halten mit blicken, die keine entschuldigung nötig haben,
kein schild, kein blinzeln, die wach bleiben, bis du ruhst und auch dann noch
deine haut wahren, entblößen in dieses dunkel, nur die nacht auf schicht.

einsteigen

anschreiben lassen statt zahlen, strich für strich dir den code zwischen die poren prägen
mit fingern, die nicht lang, aber im dunkeln sehen können:
was ist, was wäre wenn und was sein werden will, wenn wieder morgen wird.

umblättern

der musik deines blutes lauschend in deinen atem einstimmen
schlaf willkommen heißen für eine nacht zu hause neben dir
die lippen parken, da wo deine haut bloß und dein duft schwanger.

auftauchen