Gegenwart

Deivierteldruck

Druck | © Anne Seubert

Er sagt nicht viel, aber der Druck steht ihm auf die Stirn geschrieben. Die Stirn, die er hoch trägt und noch höher leben lässt, als hätte sie heute Geburtstag.  Ein Tag, der feiert, was ist und Kunst! Eine Kunst, die er beherrscht, dabei kann Kunst viel, aber kaum Druck aushalten. Halt, den sie braucht, wie eine Wand, die sie trägt, ausstellt, sich anlehnen lässt, die sie aufnimmt, annimmt und ihr alles an Fragen abnimmt.

Druck, fragt sie, und er zeigt auf den Graben, der tief sich durch das platte Land schmuggelt. Druck kann Berge versetzen, kann Land (und Fragen!) aufwerfen, kann in aller Stille gefährlich werden, kann blau vor Anstrengung die Stille explodieren lassen, kann sich auflösen in einem Schrei. Schrei, hakt sie ein, und stellt die Gedanken scharf und das Wundern ein, es braucht einen, der schreit, wenn es wehtut, der nachgibt und auf, der Wunder am Haken hat und eine Flosse aus drei Viertel Wünschdirwas und einem Viertel Stein.

Drei Viertel sind ein guter Anfang, eine eindeutige Mehrheit und ein Takt, in dem sich tanzen lässt, ahnt er öffentlich. Drei Viertel lassen eins aus und offen und uns ins Blaue tauchen zwischen Pause und Pinselstrich, zwischen Leinwand und Druckerschwärze hindurch in ein Bild, das die Zargen ehrt, sich dem Schloss fügt, aber doch lieber selbst über die Schwelle tritt, als getragen zu werden.

Gedanken

kjærtegne

Kloster Schönthal 2022 | © Anne Seubert

Der See hat eine Haut bekommen, so dass man dast drauf gehen kann…
Christian Morgenstern, Wenn es Winter wird

Die Unverwundbarkeit der Landschaft ist eine, die erst im Morgen lesbar, wenn der Tau auf den Gräserspitzen erste Berührungen tastet und der Duft sich aus der Deckung wagt.

Die Unverfügbarkeit der Landschaft ist eine, die im Streicheln über Hügelketten präsent und im Passiv des Schweifenlassens eines Blickes schließlich unübersehbar wird.

Die notwendige und gleichsam unübersetzbare, unüberwindbare Leichtigkeit der Landschaft wird in ihrer zweiten Silbe spätestens manifest, der kein Mauerbau das Wasser zu reichen, geschweige denn ein Ufer anzulegen vermag;

Das Fernweh der Landschaft bleibt eines das trägt, Heimat eines jeden Windhauchs, eines Lebensjahrs, das heimlich mitzählt, eines Steins, der bleiben möchte, auch wenn es Nacht wird und schwer und weit und Winter, dann erst recht.