Generika

Ich auch an dich

Ich auch an dich | © Anne Seubert

Und dann rufst du einfach an und wir reden über die drei Themen, die unverfänglich und die wir teilen: Das Laufen, die Arbeit und Berlin. Ein Bestätigungsanruf.

Ja. Ich auch an dich. Wie geht es dir?

Es ist Sonntagnachmittag und ich bin gerade nach einer Woche voller Sonntage müde auf die Couch gesunken als du anrufst. Ich überlege kurz, ob, bevor ich bewusst abnehme. Wir sprechen nicht lange, hören unseren Stimmen an, wie wir uns aneinander freuen, Momente der Unsicherheit auch.

Fragen. Bleiben beim Smalltalk. Lachen. Die Nähe auf Halde. Noch nicht.

Du erzählst von Komplimenten. Wir kommen auf Schönheit. Ich wünsch mir ein Bild von dir.
Wir verabreden uns für den kommenden Monat. Nicht zu vage, nicht zu konkret, klopfen ganz grob Machbarkeit, Verfügbarkeit und Verbindlichkeit ab. Bevor die wirklichen Themen rankämen, verabschieden wir uns mittlerweile fast ungeduldig.

Bis bald.

Gegenwart

Gold- und Silberstreuer

Richtig gutes Zeug

Wie der Wein, der zu keinem Essen passt aber auf deine Lippen.

Wie die Wut, die sich feige in dir krümmt und einen auf Melancholie macht.

Wie Michelangelo, der der Hässlichkeit Tür und Tor öffnete, die er der Liebe verschloss.

Wie die Tante der Tante, die das Rezept für den leckersten Käsekuchen und ihr Erbe der Kirche vermachte.

Wie die Wunde, die du aufreisst noch ehe der Schorf ablässt.

Wie die Heimat, die du in dir um die Welt trägst, umso unabdingbarer je mehr sie dich verschmähen.

Wie dein Blick, den du zur Ruhe in einen Nacken bettest, der dir eben noch fremd.

Wie dein Glaube an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt.

Allein stehend, ganz Flügel der Morgenröte samt güldenem Schweif.