Gedanken

Hinter jeder Bucht erhebt sich eine Insel

Nebelschwaden | Anne Seubert

ein leib aus geräusch, nebelumschlungen, unter tage geboren und im windschatten geparkt.
in den augen eine stille, das stürmische meer deiner gedankenwolken willkommen heissend.
auf den lippen ein geschmack, dem aller ton fremd.

am himmel eine flotte horizonte, auf kante gebügelt.
im meer eine bucht, ihre insel nur notdürftig bedeckend.
unter der sonne ein schattenwerfer, der heimlich sommersprossen sammelt.

das wochende auf snooze geschaltet, räkelt sich der freitagnachmittag zwischen todoliste und herbstlaub.
die erschöpfung auf wiedervorlage spielt der körper tetris, immer ein zittern tiefergestapelt.

das kontingent an die wand gefahren, lässt der schmerz nach und die spannung erwartet grosses, wenn nicht eine insel.

Gegenwart

Alphabet der Augenblicke

Sisterhood | Berlin, Kreuzberg | © Anne Seubert

… mich an deine küsten küssend mit lippen, die in der sprache der wälder aufgewachsen: alphabetisierung durch berührung.

… mich an deinen strände stranden lassend mit einem leib,  dem das wasser perlmuttern bis zum hals: licht soweit dein auge tastet.

… mit einem atemzug deinem duft auf die spur kommen, fährten auf abwegen und unter wasser schmiegend, land schöpfend.

… mit einem tanz einen sturm heraufbeschwören, der dir die blätter von der haut fegend dein antlitz blosslegt: still wie gott es schuf.

… mit einem wort deiner stille eine burg bauen, in die der herbst einziehen möchte, regenschauer voran gänsehaut verbreitend, so dass du bebst und ich atme.

… mich an deine rundung schmiegen, da wo keine ecken und schon gar keine kanten, wo selbst die sonne blinzelt, die wolken im spalier.