Gelüste

An der Bar

Bier, Wein, Schampus | © Anne Seubert

Auf einen Drink, schriebst du, an der Bar. Und ich wollte es wäre bereits Abend und der Drink serviert, abkassiert und die Nacht am Zug, Sterne im Bordrestaurant servierend, die zwar die Sonne nie gesehen, aber trotzdem glühen. Die Sonne, die Zeuge war, als mein Lächeln sich auf meine Lippen wagte zwischen Ober- und Unterlippe eine spaltbreite Öffnung aus der Reserve lockend, die sich meine Wimpern zu Herzen nahmen und ein Kräuseln auflegten.

Bier, Wein oder Schampus standen Spalier als ich eintrat und du sitzenbliebst, deinem Blick den Vortritt lassend und mir die Wahl. Ich ließ uns Minuten auf dem Trockenen sitzen, die Vorfreude mit den Füßen scharren und den Kellner, die Kellerschätze auffahren. Dein Duft übernahm den Small Talk, während meine Finger deine Hüften aufspürten, Morsezeichen im Köcher, und mein Atem um Fassung rang.

Das Silbertablett hatte bereits Feierabend, der Aschenbecher war überfüllt und der Stuhl wackelte, aber die Wände gaben uns Rückendeckung und rechte Winkel, wenn wir die Kurve mal wieder nur kratzen und der nächste Halt immer einer zu früh oder einer zu spät ist aber nie der zwischen meinen Schulterblättern. Und dann nimmst du dir mein volles Glas zwischen deine Lippen und ich trinke aus.

Und good old Brandenburg läutet derweil den Abend ein, entscheidet sich doch nicht zu regnen, lässt Milde walten, legt Soul auf.

Gelage

Now is where my heart is

feierabends beide arme hängen lassen und gehen
schlendern statt gehen, hüpfen!
gehen wohin der pfeffer wächst und die schatten lange blicke werfen:
flirt, du mut gewordene zärtlichkeit
du spitzbübisch lächelnder schwarm meiner seele
das leben blüht vielleicht auch backstage, ganz sicher sogar,
und vielleicht da ganz besonders

jenseits des zauns lässt der duft deines lächelns den flieder stehen,
aus dem lied, das mir der mond erzählt eine zeile entführend
auf der meine gedanken sesshaft werden möchten.
schweigend malst du eine welt, eine welt aus waldrand und wetterscheiden,
dort wo sich der wind ins korn verweht, verwirklicht zu was er geboren:
goldrausch auf dem letzten ton des freitäglichen sonnenuntergangs
vermählt im anblick der sterne, baum für baum sich dem meer der musen anheim gebend
die sich eingefunden in zweiter reihe und nachtkleid.

du zeichnest uns ein lied, das sich trägt, trägt und
verträgt mit dem allnächtlichen chor der stille
stille, die wir sinken lassen bis die angst sich zurückgezogen
zwischen alle stühle und schemel fließend, beine zum schmelzen bringend
boden bereitend für ein leben ohne leine, gegossen in die hände von poeten

und mit dem ersten wort schwingt sich dein gottvertrauen auf,
mich zu tränken für den abstand zwischen letter und komma, zu fruchtbarkeit auserkoren:
den atem schöpfung lehren, zug um zug und wange für wange,
hauch an lippe, lippe an locke, locke an stern und stern an herzgeflüster,
denn noch nicht immer gelingt es ein lied zu flechten, das deiner tonlage herr.