Geliebte

die nacht auf schicht

 

Eintauchen | © Anne Seubert

deinen atem halten mit blicken, die keine entschuldigung nötig haben,
kein schild, kein blinzeln, die wach bleiben, bis du ruhst und auch dann noch
deine haut wahren, entblößen in dieses dunkel, nur die nacht auf schicht.

einsteigen

anschreiben lassen statt zahlen, strich für strich dir den code zwischen die poren prägen
mit fingern, die nicht lang, aber im dunkeln sehen können:
was ist, was wäre wenn und was sein werden will, wenn wieder morgen wird.

umblättern

der musik deines blutes lauschend in deinen atem einstimmen
schlaf willkommen heißen für eine nacht zu hause neben dir
die lippen parken, da wo deine haut bloß und dein duft schwanger.

auftauchen

Gegenwart

Coming of Age

Vermietet (Berlin) | © Anne Seubert

 

du gibst der sprache die brust, welt,
wie einem hungernden kind
moment für moment flösst du durch meerengen einem see entgegen,
der den horizont in die diagonale schwärmen und den himmel
senkrecht stehen lässt, aus purer flugangst.

du labst noch den blick, den du fürchtest, welt
legst waffen nieder ehe du erwachst, ehe sie geschmiedet, ehe die sonne die füße aus dem bett
und unter deinen tisch gesteckt hätte,
solange das feuer heiss und der wille weich wie
der regen, den du geborgen hälst für tage
trocken wie diese.

dein traum hat federn gelassen, welt, du schlafwandelst
im hellen noch unter den nackten ballen den schlafsand der vergangenen,
flüchtig gewordenen nacht zur untermiete und
knirschst vergnügt mit den zehen, vers für vers verdrückend,
mit dem appetit einer heranwachsenden, die die schuhe stehen und
die augen weit geöffnet:  wirst du bitte nie erwachsen?