Gelage

Verzeih dir!

Da wo das Meer sich in dich flüchtet, weiss ich zu landen: zielsicher am Abgrund. Am Abgrund in einen Himmel, der keine doppelten Böden verzeiht, keine Flossen, der noch Horizont, wo du schon Strand. Horizont für solche wie mich, die den Sand knirschen hören, wenn die Ohren längst geflutet. Zwischen Ebbe und Flut, badest du deinen Frühling tränenweichgespült, nutzt Langstreckenflüge zur Schmelze des letzten Schnees, da wo das Triebwerk heizt.

Da wo der Horizont sich ins Meer stürzt, wartest du deiner Düne Herr, die ansässigen Möwen mit Leibspeisen verwöhnend: Briefen an mein Ich, das dir voraus gesegelt war, den aufkommenden Wind nutzend und die gischtheischende Brandung zum Monatsende. Allzuhohen Wellengang eher meidend, verirrt sich dein Blick an Land, Spuren legend für Herz und Schenkel und das Meer, das folgen wird, sobald der Mond die Bahn frei gibt.

Zwei Hände voller Gegenwart sind schneller verzehrt als uns lieb, das Land weit, der Magengrund tief. Gnade dem, der den Hunger an Bord auf das, was lieb und teuer auch morgen noch, an Land ging, als dieses leer und das Meer weit. Dem, der es vermag, das Feld aufzumachen, den Bogen zu spannen, so dass der Pfeil trifft, das Wasser fließt und der Blick Ruhe findet.

Gegenwart

48 Stunden 38 zum 28sten

Wenn alles anders kommt und du vor lauter Tränen den Weg in den Tag kaum mehr findest.
Wenn die Stunde 0 mit einer Einladung zur Begehung der ewigen Gelübde beginnt.
Wenn zum Frühstück Said auf dich wartet und Worte hat, die dein Gedächtnis ins vorgestern, übermorgen und zurück tragen, mühelos.
Wenn der Kreislauf im Quadrat springt und der 1,60 große Arzt dich liebevoll “Kleene” nennend zum Darniederliegen bringt.
Wenn du den Ehrentag in einer Einrichtung für Invaliden begehst.
Wenn zwar draussen Frühling ist, aber in dir nur kalt.
Wenn du später mit einem Rezept für Insulin in die Apotheke gehst und die Apothekerin denkt, du hast das falsche Rezept dabei, weil du “so krank” aussiehst.
Wenn du nicht weisst, wohin mit dir, weil die eigene Couch besetzt.
Wenn dein Vater dich von der Piste aus anruft und du ahnst, da ist was im Busch und dann ist der Busch lichterloh in Flammen.
Wenn dann beim Kunden, die Kundinnen dir mit erhobener Skepsis begegnen, Kaffee wie Tee anbieten und dir nach 2 Stunden Lachen und Planen plötzlich vertrauen.
Wenn du mit der Projektpartnerin noch auf einen Drink ins Hotel nebenan willst, ihr euch im Eingang irrt und stattdessen im Seniorendomizil endet.
Wenn die Hotelbar dann doch noch gefunden wird, und dir die Projektpartnerin spontan eine Cola Zero und ein zweites Projekt anbietet.
Wenn du im Dunkeln nach Hause kommst, und die Untermieterin zum Abschied alles blitzblank geputzt hat.
Wenn du statt mit allen Lieben um dich, schließlich mutterseelenallein die Suppe löffelst, die du dir aus Lieblingszutaten eingebrockt hast.

Wenn dann im Eisfach überraschenderweise ein Kilo Eis vom letzten Sommer wartet, dann erwischt dich das neue Lebensjahr eiskalt mit Erdnusskaramell.