Gelüste

leibchen, gefältelt

da wo dein leib falten schlägt, in die stille sich gräbt, die du dir zu eigen gemacht hast, da halt ein. mit bloßen knien halt einzug, verschorften knöchels, das haar nachlässig zwischen ohrmuschel und kopfhaut geknöpft, als halte es, was du versprichst.

halt zwei minuten dir warm zum auf der faulen haut liegen, immer zwei mulden auf einmal zum schauern bringend. halt die ohren steif, auch wenn du schmelzen möchtest beim bloßen erspürens des knöchernen alter ego, unter meiner haut.

halt still, leg die zeit beiseite und den blick, lausche tiefer, zärtelnd, da wo sonst nur schweiss, schwer atmend auf einsame poren trifft, sei sacht, passiv, fürchte dich nicht. atme, deinen mutiger werdenden leib über meinen streichend, falten schlagend.

Gegenwart

Mise en place II

Nein, ich schreibe keine Gedichte,
ich spiele mit Glas: Lautperlen
fädle ich auf Zeilen, murmelnd
war an werden zu ketten.

Nein, ich spiele nicht mit Worten,
letternd wende ich ihre Schatten
der Sonne zu und setze das Licht
für ein Stündchen neben dich.

Nein, ich lächele nicht durchs Schlüsselloch,
mit Händen und Füßen öffne ich Türen,
der Dämmerung Einhalt 
gebietend
mit beiden Augen und einem Auftrag:

Flöße Ankunft uns ins Dekolleté,
Nährstoffe um Kopf und Kragen, und sei
dem Morgen das Du auf der zweiten Silbe
zwischen die dichten Wimpern geknöpft.