Gedanken

Downstairs

Und dann zeige ich dir noch meinen Hobbykeller, lacht sie und merkt nicht, dass ich längst ausgestiegen bin. Dass ich mit meinen Gedanken längst wieder bei dir bin, das Hintertürchen genommen, drei Täler und einen Morgen weiter. Der Wetterforecast hatte Sturm vorausgesagt und das Budget war bei unseren Träumen ins Stottern geraten, so dass ich nun alleine hier im Hobbykeller der Dame mit Herz aber ohne Schalkragen. Stattdessen trägt sie Boa ohne Phillip und nennt ihren Keller einen Club, in dem sie Stehlampen und Stühle verkauft und georgische Herzen.

Ich vermisse das Stroboskop fast so sehr wie dich, mich zu bergen vor Unbill und Nesseln, in die ich mich allzu gern setze, den Nebel, der jeden Berg zum Gipfel macht und jedes Lächeln zur heiss ersehnten Sonne. Das Farbmeer um uns bringt das Grau in mir zum Leuchten, blendet so sehr, dass ich meinen Blick spontan rausschicke, auf die andere Strassenseite rüber, uns zu beobachten: mich und die Frau und die Farben und dich irgendwo im Nebel zwischen Küste und dem #emptychair-Projekt, das spontan Saison hat, 15 Stufen hinter dem was landläufig Charlottenburg.

“Hasch mich!” spielt draußen der Frühling, während oben die Diva ihre Stimmbänder tanzen lässt, obwohl die Tanzfläche noch nicht eröffnet und ich plötzlich Sehnsucht nach Feierabend und einem Tässchen Tee. “Scharade!”nutzt die Dame des Hauses gekonnt die Stille zwischen zwei Noten und wirft ein Stichwort, dem meine Aufmerksamkeit nicht widerstehen kann, Audrey Hepburn und Cary Grant im Schlepptau. Also doch tanzen, heute abend, die Nacht durch und morgen früh barfuß im Gras, wenn der Frühling sich einen Ruck gibt. Sonst eben downstairs!

Gelüste

Noch eine Runde Schweben


Dein Schweigen hat ein Auge auf mich geworfen, füßelt heimlich mit meinem Lächeln, prüft seine Wirkung, während ich mit dem Leben flirte. Ich rede, träume, gestikuliere, zu laut und zu leise, zu raumgreifend und zu flatterhaft vor allem, um deinem Schweigen Einhalt gebieten zu können oder einen Schoß.

Mein Leben genießt die Aufmerksamkeit, hat Fahrt aufgenommen, will noch eine Runde und noch eine, schneller, höher, tiefer. Will die Nacht und den Tag, den Morgen und die Erschöpfung, den Anfang und ja kein Ende. Will den Moment und zwar jeden, ausbuchstabiert und in koketten Lettern auf den Leib geschrieben, will den Wankelmut und die Dekadenz, die Frechheit und den Schnaps auf’s Haus. Will nach Hause gebracht werden und über Nacht bleiben, will die Ruhe vor dem Sturm und den Sturm selbst, den Nachtisch zuerst, aber die Vorspeise bitte auch. Will den Blick und die Berührung, die Rente und alle Boni bar auf die Hand.

Dein Schweigen hat angefangen, Briefe zu schreiben, vorzugsweise nachts in altehrwürdiger Tinte auf Büttenpapier, fast meine ich das Kratzen der Feder zu hören, wenn ich den Buchstaben über das Papier in die Worte folge, die du für uns gemalt hast. Es lässt die Seiten aus, verführt mich in knietiefe doch stumme Fußnoten, lässt Stille wie ein Kapitelband neue Anfänge finden und knüpft ein Ende, das seinen Leser längst gefunden hat. Es kann schwimmen, weisst du das, und die Welt aus den Angeln heben?