Gelüste

Samstag im Spiegel

Es ist Samstag, weiss der Spiegel, er erkennt es am Kleid. Das Kleid mit den gestickten Komplimenten am Saum, die du unreif pflückst, noch knackig, wie ich sie liebe. Und mit diesem bitterem Kern, den nur ich schmecke und kichernd ausspucken werde, du ahnst es.

Contenance, warnt dein Blick bereits unter den sorgfältig auf Krawall gebürsteten Wimpern, die weit mehr im Schilde führen als die schlagartige Beendigung von Augenblicken, die Ruß anziehen und die Ruhe aus. Ich ziehe den Telefonjoker und bitte um den nächsten Tanz statt Nüsschen und Rosinen, bitte nichts, was den Salzgeschmack deiner Lippen auf Abwege bringen würde, lieber Nähe pur und ohne Eis.

Lass meine Hand dein Schulterblatt entdecken, vier Finger vertikal und den Daumen nur der Vollständigkeit halber oben anlehnen. Die Geste zählt fast so viel wie der Moment danach, als dein Knie einwilligend auf Tuchfühlung geht. Am Nachbartisch wird gezahlt, du liebäugelst spontan mit dem Negroni an der Bar, auch um dem Spiegel ein weiteres Bild zu ermöglichen und die Bestätigung für mindestens einen weiteren Tag Wochenende abzugreifen: Gönn dir!

Gelage

Drei Millimeter und ein paar Zerquetschte

Wie du doch das Schweigen satt hast, diese Blicke, diese Wut. Wie du das Messer öffnen möchtest, den Schmerz, das Fenster, den Mund. Wie du zubeissen möchtest, Gräben schlagen, zwischen Schulterblatt und Ohrläppchen.

Wie du den Mut einfließen lässt und den Schalk, als du die Zähne stattdessen ins Brot schlägst, das sie uns aufmerksamerweise zum Wein reichten. Wie dein Appetit nicht weiss, wohin mit sich, und dein Blick Stehblues übt.

Wie ich leise und leiser spreche und das Unausgesprochene immer lauter wird. Wie der Nachtisch nicht schnell genug kommt und die Zeit zwischen deiner Ahnung und meinen Umwegen ins Schlingern kommt. Wie dein Atem plötzlich fremde Sprachen spricht und eine, die nur geflüstert werden will. Die nur gilt, wenn zwischen Lippen und Ohrläppchen höchstens drei Millimeter und ein paar Zerquetschte.