Generika

Glück badet nackt

Das erste Mal sah ich sie knutschend am See. Ich drehte mich um, weil ich den Mann aus dem Augenwinkelmoment heraus meinte wiederzuerkennen. Ja, sie knutschten, ungeachtet der florierenden Joggerschar um sie herum. Umarmt, den lächelnden Blick in die schweißtriefende Seele des anderen vergraben, den Leib des andern haltend. Im Hintergrund sah ich die geparkten Räder stehen, auf einem Gepäckträger ist ein Rucksack festgezurrt.

Das zweite Mal joggten sie mir entgegen. Sie einen halben Schritt vor ihm, er, den Kopf zu ihr geneigt, lächelnd, seeseitig folgend. Sie liefen nicht synchron, aber eingespielt, nicht angestrengt, sondern geradezu lustvoll. Er mit dickwandiger Brille, sie mit wippendem Zopf. Er mit kräftigen Waden gesegnet, sie in einem Shirt, das bestimmt mal rosa war. Erst als ich sie wiedererkenne, ihn wiedererkenne als den besten Masseur meiner Reha-Geschichte, weiß ich, dass er die Brille mitnichten als Accessoire trägt. Dass der halbe Schritt seiner nahezuen Blindheit geschuldet ist. Dass er Lebensgier für eine ganze Armada Scheintoter in sich trägt.

Beim dritten Mal höre ich sie. Den Blick den Ohren hinterhertragend sehe ich sie im See lachen, die tropfnassen Körper in der Abendsonne schütteln, den Sonnenuntergang als Backgroundchor, wieder nur Augen für den anderen. Fast wiederwillig laufe ich eine weitere Runde, um sie erneut zu passieren, als sie gerade ihre Kleider aus dem im Unterholz versteckten Rucksack hervorholen.

Gestern

Meistens hat man einen

Frohgelocktes Dreamteam

Einen, den man lieber mag. Ich aber habe zwei davon. Einer toller als der andere. Zwei wundervolle. Wildgelockte. Wandelwollende. Bis zu meinem dritten Lebensjahr umrahmten übrigens auch mein Antlitz hellblonde, lockerleichte Locken. Sie wippten fröhlich umher, wenn ich lachte, leuchteten mir mit dieser blonden Leichtigkeit den Weg in die Herzen italienischer Campingplatzbesitzer und umgaben mich nonchalant mit einer seit daher verschütt gegangenen Unschuld. Kurz nach Vollendung meines dritten Lebensjahres aber verließen sie mich – for good! Es fand sich großzügiger Ersatz, wenn auch ungleich dunkler und schwerer, lockenlos.

Und Wandel? Das ist wohl der, der hier gerade mal wieder ungeduldig von einem Fuß auf den anderen tretend um Einlass bittet. Der den Schlaf zur Seite drängt und den Sexappeal hervorkitzelt. Der die Laune in müffelnde Kellergewölbe unter Sorgenbunker schickt und erst nach drei Stunden Karzer wieder in die Sonne lässt, so die dann noch scheint. Der Horizonte aus dem Ärmel schüttelnd eine Sehnsucht zu schüren weiß, die bei Erstkontakt spontane Atemlähmung verursacht und später dann erst Gänsehaut. Fehlt nur noch der erste Schritt, aber da ist er dann plötzlich wieder schüchtern.