Gestik

Dämmerung

Ballen für Ballen Strohsterne mir unter die Haut gepresst, ohne Marginalspalte versteht sich. Kolumnentitel aus der Nagelhaut geschält, dreifach gefalzt und vermittels des Daumenballen glattgestrichen. Atemzüge verfolgen noch das Rascheln der Fingerknöchel dicht über der Tastatur, da öffnet sich schüchtern ein Blick am Nebentisch, wirft einzelne Kekskrümel fragend zwischen die Schatten. Gönnt sich genießerisch funkelnd ein Abwarten hinter vorgehaltenen, wenn auch grobmaschigen Wimpern.

Die Knie bleiben geschlossen, die Knopfleiste im Lot versenkt, indes die bedeutungsschwangeren Fältchen der Handinnenflächen sich merkbar mit Feuchtigkeit füllen. Da schwimmt die Lebenslinie noch ehe der Schluckauf bemerkt und nur gut, dass der kleine Finger bereits das Seepferdchen am türkis-lila gestreiften Bikini trägt. Der Blick aber lässt keine Ablenkung zu und tastet sich den Zeigefinger entlang zum einzigen wiedererkennbaren, weil besonders grobkörnigen, der zuvor mutwillig ausgesetzten Krumen.

Kanunomaden wären jetzt willkommene Gäste, die Armada Serviettenschiffchen ist längst gefaltet und für den Kiel breit Wasser wird gerade gesorgt. Die Handflächen nach oben schiebt sie die Keksrudimente gen Kante, sorgsam das Nass vor dem Überlaufen bewahrend. Sein Blick hält noch die Spannung und dann schwappt doch eine Welle über, ertränkt den Krümel, die Spannung. Und hätten die Strohsterne nicht hochkantig störrisch dem plötzlichen Fluss Einhalt geboten und die nassen Finger gespreizt, das Lächeln hätte auch die Nacht unter ihren Nägeln geflutet.

Gestik

Scharade

Nelkenbärte in Purpur und Violett. Grünwandiges baucht sich in doppelter Ausführung nurmehr halbgefüllt, der Abend geht sichtbar zur Neige. Der Süße des Nachtischs geschuldete Pausen häufen sich, das Wortfleisch verbleibt allzu oft nun im Anschlag. Da lohnt ein Spreizen der Wadenmuskulatur, ein Lüften der Haarwurzeln, Rumpfbeugen. Dann erst wieder das O in Nasalposition gebracht – man erinnere das Altprovenzalische – und die Hasenscharte frisch gewetzt: Sprache filettieren als Wettkampfsport.

Der Flaum deiner Achsel hatte sich chlornass und pomadenschwarz die Kachelwände emporgerankt. Hatte die Symmetrie deiner Schulterblätter aus dem Gleichgewicht gebracht und deine Silhouette um den entscheidenden Flaum bereichert. Hatte den anthrazitfarbenen Füllfederhalter zwischen deinen die Anspannung verratenden blass werdenden Fingerknöcheln in den Schatten gestellt. Hatte mir die Italiensehnsucht eingepflanzt, so nachdrücklich, dass mein zuvor eher allgemein gehaltenes Fernweh keine Chance mehr hatte.

Seitdem und so auch heute trage ich Hut und du eine Zigarettenspitze zwischen den Fingern. Ich flechte meine Wimpern zwischen Flachmänner und verberge das Lächeln tunlichst, das sich bei bewölktem Himmel doch immer wieder unter der Krempe hervorwagt. Pflanze Rabattmarken, gräberweise, und bereits nur jedes Schaltjahr eine dezent gemusterte Krawatte. Wo im Restlichverstärker nun mir leere Poren leuchten, dein ganzer Oberkörper weit und obendrauf ein hilfloses Lächeln gepappt.