Gelage

Einen braucht der Mensch zum Treten*

Manchmal wünsche ich mir Dich schon zur Seite. Dann wenn es mal wieder an allen Ecken und Enden ziept zum Beispiel. Oder wenn der Wind zu stark mir zwischen die Wimpern weht.
Dann fluche ich laut und dreckig und hoffe inständig, dass mich jemand höre und sich angesprochen fühle. So angesprochen sogar, dass er dagegen wettere. Meist jedoch, bleibt es beim Wunsch. Wenn die Finger dann auch noch kalt werden, fang ich an zu singen. All die Songs, die andere nur unter der Dusche anzustimmen wagen, von deutschem Schlager über Abba und The Offspring.
Beim zweiten oder spätesten dritten Durchlauf des Refrains – bei den Strophen versagt mein Textgedächtnis konsequent – fährt mir der Rhythmus von den geöffneten Lippen über den Gaumen durch den Rachenraum in den Nacken, rutscht an meiner Wirbelsäule die Bandscheiben hervorkitzelnd bis übers Kreuz in den Beckenboden. Dort vibriert er kurz, auf dass mein Gesäß in der Folge irritiert den Kontakt mit dem Sattel verliert und für Sekunden in der Luft rotiert. Diese Sekunden nutzt der Rhythmus um sich taktlos an den Backen vorbeizuschlängeln und mir in die Beine zu fahren. Und ab da ist Rock’n’Roll in den Kniekehlen, es wird gestaucht und gestreckt, getreten und getippt.
Freddie M. ist mit mir und mit meinen Knöcheln. Die Waden spannen und entspannen sich im Dreivierteltakt, die Oberschenkel zittern sich zum Grande Finale die leichte Anhöhe gen heimische Höhle hinauf.
Und wäre mein gehörntes, grünes Velo nicht tapfer stets und ohne Murren und nur seltenem Quietschen unter mir, jeden Tritt in fast vorauseilendem, definitiv aber nachwirkendem, Gehorsam in temposteigernden Schwung umsetzend, ich würde vermutlich unschuldige Bürger treten. Mit jedem Schritt den ich dann mehr zu gehen hätte, zielsicherer und schmerzintensiver.

*K. Wecker

4 Gedanken zu „Einen braucht der Mensch zum Treten*“

  1. Ole sagt:

    Ein Hoch auf grüne Veli. 🙂

  2. kopffuessler sagt:

    Rot, Grün, Blau – ich liebe auch die andere Frau!

  3. Ole sagt:

    Weiß, gelb, braun – es reizt, doch schickt’s sich nicht, abzuhau’n. 🙂

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