Gestik

Ankünfte

Aus der erst zur Hälfte ausgepackten Tasche stolpern Kussversuche seine linke Wange empor, vorbei an den sich stapelnden noch zu erledigenden Dingen, notdürftig auf altgelben Zetteln notiert. Erster Halt Tränensack. Wimpernumsäumt lockt das Auge himmelblau und bisher weitgehend unbeweint. Die Reise war lang und der Himmel meist blutleer, vereinzelt durchbrachen eiternde Kondensstreifen den konvexen Horizont. Reckten sich nach der Sonne und verglühten träge tröpfelnd.

Im nächsten Leben Streichelzooinsasse argwöhnt er dem legasthenischen Himmel, der nicht bis 10 geschweige denn bis 7 zählen kann. Wohlwissend den Umweg wählende Küsse verfangen sich im Unterholz der Braue. Er beginnt zu lächeln, es mag kaum hörbar kitzeln. Die Hände in der Tasche vergraben sind die Finger auf der Suche nach Fassbarem. Nach eindeutig Verstaubarem. Umgehen Souvenirs, erinnert wird später. Aber das Auge tränt jetzt, den ungeübt gespitzten Lippen hinterher, den Tränensack leerend. Verformend.

Luft schmeckt salzbitter, auch und gerade durch die Nase eingeatmet, lauwarm. Er würde jetzt gerne einen Salamander reiben, dem Kloß im Hals über die Schnelle helfen. Den Lippen ausweichen, die jetzt rechtswangig den Weg zum hinter der Biegung liegenden Ohrläppchen einschlagen. Weiterhin irritierend asynchron seine Bartstoppeln touchierend. Er schauert vergebens. Die Tasche bleibt unausgepackt an diesem Abend, die Contenance dahin, das Ohrläppchen unerreicht. Sein Lächeln aber verbreitert sich.

4 Gedanken zu „Ankünfte“

  1. amadea sagt:

    Mein Koffer liegt auch noch immer da unausgepackt und mit geöffnetem Maul.

  2. amadea sagt:

    Ganz rauf in den Norden Schottlands. Da will ich schon lang hin.

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