Gelage

Liebe deinen Alltag, Schichtwechsel um Mitternacht

Ausblick | Anne Seubert

Jeden Morgen die eigenen Einzelteile zusammenrufen für die heute anstehenden Jobs. Wie Tagelöhner kriechen sie aus ihren Löchern, ohne große Erwartungen, wohlwissend, dass schlecht bezahlt, bleiben sie ungenügend  ausgebildet und unterwürfig aus existenzieller Dankbarkeit heraus. Ja, der Tag wird vorübergehen, es wird ein nächster folgen, aber die beiden werden sich nicht kennenlernen, nicht voneinander lernen, nicht miteinander flirten, nicht miteinander schlafen. Schichtwechsel um Mitternacht.

Heute du, morgen ich, fragt die Zukunft die Gegenwart rhetorisch am Eingang.

Als Fragezeichen aufwachen, das ich vom Vortag bereits entsorgt, die Hülle recycelt, eine Frage, die ein Zeichen ist und eines sucht: Bin ich’s heute oder werde ich es erst? Kann ich was ich will heute sein? Bin ich heute gefragt oder sind die Antworten bereits anderweitig vergeben. Wer bringt den heutigen Tag auf den Punkt und wer ihn um die Ecke, wenn es soweit ist? Ungebremst noch die Furchtlosigkeit, unscharf der Blick und ob Problem oder Lösung, Ziel oder Weg, Trotz oder Rücksicht wird sich zeigen. Jetzt erstmal Neugier dick aufs Brot gestrichen, dass ich dich anerkenne, my Day, ist auch eine Form des Vergebens eines Gesterns, das so weder gewollt noch gewürfelt wurde.

Heute ist ein guter Tag, flüstert die Nacht und schließt die Augen.

Mein Tag, mein Turm, mein Tintenfisch mit sieben Händen Hoffnung und nur ein Arm trägt schwarz? Der Dresscode wurde zu spät kommuniziert, man sei der Zukunft trotzdem doer gerade deswegen zugewandt. Ein Ort des Verzeihens der Tagesanbruch auch, geteilter Morgen spricht für geteilte Nacht und ein Frühstück mit Worten, die du nicht von der Bettkante schubst, auch wenn das Bett schmal und das Wort heilig, auch und gerade wenn der Turm in seinem Schatten die Sonnenstunden zählt, die heute Schicht haben und sich gerade warm laufen. Noch eine Schippe Laub zum Mitnehmen? Aber sicher! Und eine zum sofort aufwirbeln, bitte!

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