Gemäuer

Schattenwerfer

Spiegelung | Anne Seubert

Du wirfst den Schatten ins linke Auge. Ein Schatten der erst flackert, dann weicht und es schliesslich wagt, zu landen. Ein Land zu öffnen, das erst blinzelt, wenn das Ufer in Sicht, wenn das Meer sich zurückzieht auf eine Insel jenseits des Sichtbaren. Das Sichtbare, dass du fürchtest, wie der Schatten das Licht, da gleicht ihr euch sehr.

Du weist der Wand die Tür und trägst sie über die Schwelle, als das Wasser steigt. Das Wasser, das Wände flach legt, ganze Mauern, das fließen macht, das selbst Woge und Gischt und Tropfen auf den heißen Stein. Den Stein, den du dir in die Hosentasche sicherst, als gäbe es Halt to go und Gewicht auf Zuruf.

Du stellst die Uhr auf viertel nach acht und legst das Ufer zu den Akten, wie einen ausgedienten Liebhaber. Die Liebe dir zu Füßen wie das Fell, das deinen Fußsohlen schmeichelt als wäre Strand etwas, das nachwächst. Ein Wachstum, an das wir alle glauben, so lange wir noch nicht an Land, so lange uns die Welle im Wasser trägt. Das Wasser, das jeden Gedanken so umspült, dass jede Flucht obsolet, jede Wirklichkeit nur eine von vielen an einem Horizont, der sich mit jeder Welle neu erhebt, auflöst oder teilt, nie aber einen Schatten wirft.

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