Gegenwart

nächtens only

By the Sea | © Anne Seubert

Wenn ich ein Wasser wär, flöss’ ich in dein Meer,
flöss’ ich bei Ebbe dir zu Füßen,
flöss’ ich bei Flut dir um die Knie in dein Meer, deinen Strand mitnehmend für eine Insel,
unerreichbar am Horizont.

Wenn ich ein Wasser wär, trüge ich dich bis ans Ende aller Wellen, da wo die Stille sich streckt und die Gedanken hörbar,
trüge ich dich ins Buch aller Bücher und
über die letzte Seite hinaus auf meinem Rücken in ein Meer, das gerade fliegen lernt.

Wenn ich ein Wasser wär, tränke ich dich in Schlucken,
tränkte ich dich mit meinen Salzen und Süßen,
tränke ich dich über den Durst hinaus in Scharen und Scheinehen über die Schwelle des Himmels, der für alle offen.

Wenn ich ein Wasser wär, regnete ich für dich nächtens only,
regnete ich für dich aus Wolkentürmen, so hoch, dir würde schwindelig beim bloßen Anblick,
regnete ich für dich in Fäden, die von Hand gebunden, so fein sich an deine Haut schmiegend, einen Glanz spürbar werden lassend, so feucht wie golden.

Gegenwart, Leise Vergnügungen

Leise Vergnügungen X

Leise Vergnügungen | © Ånne Seubert

# Den Geist für seine Anwesenheit loben.
# Dem Sucher der Kamera das Antlitz des verschlafenen Spätsommers entlocken.
# Den See beim ersten Besuch bereits duzen.

# Der Wirklichkeit eine Szene machen.
# Der Blumenfrau einen Kuchen vorbeibringen, den mit den ersten Zwetschgen. Dem Bäcker Blumen.
# Mit dem eigenen Bauchnabel eine Existenzberatung durchführen. Ergebnisoffen.

# Zwischen Träumen und Wachen den Hut rumgehen lassen.
# Den Tag kommen lassen. Dich abholen. Mich mitbringen.
# Den Momenten auf nackten Ballen begegnen.

# Der Nacht so nahe kommen, dass das Zittern der Sterne offenbar wird.
# Der Wonne einen Guten Tag wünschen und mich damit heimlich zum Abendessen einladen.
# Luft holen, von der guten, und mich selbst damit von innen wachkitzeln.

Leise Vergnügungen III, III, IVV, VI, VII, VII, IX.