Geliebte

Schwarzer Vogel Mut

Zerzaust | © Anne Seubert

Rara avis terris, nigroque simillima cygno.
Für Max Bense.

Zwischen all den Resten, Rändern, Rudimenten wagst du einen Blick ins nur bei Tageslicht Wahrnehmbare, legst Lupen an Wahrscheinlichkeiten und Statistiken in den Halbschatten, huschst hinter Prognosen und launisch verlautbarten Grundsätzen, zeichnest Fragen in die Antworten, änderst den Schluss, den du ziehst, nachdem alle Lichter gesetzt, und lässt den schwarzen Vogel flattern.

Seine Schwingen tragen schwarz, das Herz – man ist seit Jahren per Du – auf den lächelnden Lippen. Der Ton aber bleibt aus, die Stimme verhallt in dem Dunkel, das der Vogel unter seinen Schwingen dir gewährt, raumgreifend die Stille, dir Bühne und Boden und Wand, an die dich lehnst, wenn ob plötzlich einsetzender Helligkeit, der Schwindel einsetzt. Der Schwindel, der dir die Spurensuche schwer und das Horizonte sammeln unmöglich macht, hält was das Flattern verspricht: Stillstandlosigkeit.

Jetzt will alles Ich ein Du, das sich aufplustert und steht noch im ärgsten Sturm, das sich abhebt und versteht. Steht. Die Schwingen tragen deinen Blick über deine Wut ins Innere deiner Angst: Was wäre wenn, flüstert dein Augapfel im Angesicht des Kopf stehenden Herzens und lächelt dem Mut tröpfchenweise ins Schwarz gleitende Schwimmringe zu: Jeder Mensch ist eine Insel, ich bin das Meer, Du aber, flieg!

Gedanken

bruder des zweifels

steht da und glitzert in der ersten sonne, die du an deinen steifen hals gelassen hsst, wie sonst kaum jemanden und sogar hinters ohrläppchen, das sonst ja bereits beim kleinsten aufmerksamkeitshappen errötend zusammenzuckt.

steht da und bereut nichts, nicht die tat an sich, nicht die schonungslosigkeit, nicht die tippfehler, auch nicht das timing jenseits von gut und böse, oder gar die form, die zu wünschen übrig lässt, das ja.

steht aufrecht und rührt sich nicht einen zentimeter, auch als ich kurz streng gucke, ob da nicht vielleicht doch, aber nein es ist und soll und wird, was geschrieben steht jetzt von dir gelesen werden und dazu war es wichtig, dass einer sich hinsetzt und schreibt und dann aufsteht und stehen bleibt auch wenn der wind dann wieder stärker.

wer dir da beisteht, mut, du bruder des zweifels und der angst, freund von freunden wie meinen, ich grüße dich und leg mich noch ein stündchen in deinen schatten. ok?