Gedanken

Im Schattenriss der aufgehenden Wonne

Während die Welt Handstand macht und dreifachen Flickflack, vor und zurück und seitwärts und ein sich dreht, hälst du dem Ich die Stange, die Augen unter der trubeligen Stirn geborgen, das Ja, absprungbereit auf den aufgeplatzten Lippen. Stets und ständig, den kleinen Jungen mitsamt seinen Fragen auf dem Schoß, das Mädchen an der Hand und den Mann im Schattenriss der aufgehenden Wonne. Nur angedeutet? Verführung zwischen Zeilen buchstabiert, das Siegel wie einen CallToAction-Button in die Mulde zwischen Haupthaar und Ohrläppchen deponiert: Be my Why in siebzehneinhalb Sprachen.

Mehr Runzeln als Fußnoten möchte ich mir wünschen, einen Lidschlag zwischen zwei Blautönen und auf halb acht, den Blick ins Herzgetümmel, da wo der Gletscher kalbt und die Abendsonne sich eiskalt ins Meer stürzt. Es muss gar nicht kalt sein, auch nicht die Axt. Eine deiner Wimpern, im Zwinkern nonchalant über meine Wange streichelnd, reicht vollkommen, mir Gänsehaut zu zaubern, auf Arm und Wade, da musst du nichtmal lächeln, da gerate ich ins Schwimmen, Taumeln, Tanzen, bis dass die Ferse blutet und die Heimat verlassen röhrt.

Nur über meine Wange lenkst du den Straßenkreuzer in meinem Traum, bis die Straßenkante aufmuckt und wir ungewollt zum Stehen kommen. Eine Zahnlücke, eine Schweigeminute aus purem Genuss und ein Tänzchen in Ehren später, darf die Stadt wieder teilhaben an dem, was wir Wochenende nennen und für heute für beendet erklären. Zumindest den Teil, der unter die Haut ging und Spuren hinterlassen hat, die du lesen kannst und ich tippen: Be My Why.

Gemäuer

Rot Ecke Torstraße

Ich mag das ja, wenn und wie du mit mir flirtest, Berlin. Um die Ecke, unter der Hutkrempe, mit Eis in der Hand. Dir steht Gerüst wie mir Brille einst, Europalette sowieso und Rot! Wer könnte rot besser tragen als du.

Dass du mir selten in die Augen schaust, tant pis. Umso mehr genieße ich deinen Blick zwischen Straßenkante und Markise, den du um Laternen wickelst, als gäbs Laternen noch auf Gas.
Du trägst den Backstein nackt auf offener Straße, und wenn er bröckelt, dann bröckelt er, der Putz. Pathos? Bitte noch einen Löffel mindestens, dann schieb ich dich ‘ne Runde durch den Sommerabend und ja, du darfst den Drink auch to go, und das Handy auf den Tisch legen.

Stösschen, unisex und auf ex, my dear, schön wieder durch deine Straßen streifen zu dürfen, deinen Puls im Schritttempo zur Brust nehmend, Atmen, tief und fest, und das Raumgreifen für einen Moment ad acta. Sommerabend auf Pflasterstein, Rockzipfel auf Mückenstich, Schulterblick an Torstraßenschönheit.