Gegenwart

Newtons nackte Frauen

Newtons nackte Frauen an den Wänden, im Glas vor uns den herbsten Gin des Hauses und am Nachbartisch eine Schale Erdnüsse. Der Sommer hatte schon bessere Tage, das Fußballspiel ist uns beiden einerlei und du lächelst. Lächelst, als ich den Gendarmenmarkt überquere, 10 Minuten zu spät, als ich deinen Blick auffange und auf die Zielgerade einbiege.

Der Abend gehört uns, sagt dein Blick, als ich mich neben dich setze, dein Lächeln im rechten Mundwinkel fügt fragend die Nacht hinzu. Mein Hallo aber gehört dem Augenblick, der Macht dieser einen Sekunde, die prall gefüllt mit Wiedersehensfreude, Neugier und Nähe mit der blankgeputzten Tischplatte um die Wette strahlt und weder Zukunft noch Vergangenheit neben sich duldet.

So prall, dass Worte ersteinmal keinen Platz finden an unserem Tisch, wir halten es mit Blicken fest dieses Momentchen, dass uns beschert wurde und ich muss mich daran erinnern, ein- und wieder auszuatmen. So hat dein Duft eine Chance, mich zu begrüßen auf seine Art: zurückhaltend, herb, Komplize der stillen Stunden und Nachtschichten, wie ich den vermisst hatte! Ich mag deinen Duft, raunst du prompt, und eröffnest die nächste Schnupperstunde.

Gelüste

Samstag im Spiegel

Es ist Samstag, weiss der Spiegel, er erkennt es am Kleid. Das Kleid mit den gestickten Komplimenten am Saum, die du unreif pflückst, noch knackig, wie ich sie liebe. Und mit diesem bitterem Kern, den nur ich schmecke und kichernd ausspucken werde, du ahnst es.

Contenance, warnt dein Blick bereits unter den sorgfältig auf Krawall gebürsteten Wimpern, die weit mehr im Schilde führen als die schlagartige Beendigung von Augenblicken, die Ruß anziehen und die Ruhe aus. Ich ziehe den Telefonjoker und bitte um den nächsten Tanz statt Nüsschen und Rosinen, bitte nichts, was den Salzgeschmack deiner Lippen auf Abwege bringen würde, lieber Nähe pur und ohne Eis.

Lass meine Hand dein Schulterblatt entdecken, vier Finger vertikal und den Daumen nur der Vollständigkeit halber oben anlehnen. Die Geste zählt fast so viel wie der Moment danach, als dein Knie einwilligend auf Tuchfühlung geht. Am Nachbartisch wird gezahlt, du liebäugelst spontan mit dem Negroni an der Bar, auch um dem Spiegel ein weiteres Bild zu ermöglichen und die Bestätigung für mindestens einen weiteren Tag Wochenende abzugreifen: Gönn dir!