Gestik

Verzärtelt

Ich möchte so gerne etwas Zartes schreiben (und antworte stattdessen meinem Chef). Ich möchte so gerne etwas Leidenschaftliches tun, mit Krallen in Fleisch und stöhnendem Ächzen und seufze doch nur wieder murmelnd in den genuschelten Bart am Nachbartisch. Die Lippen darüber haben einmal zu viel zurück statt vorgelächelt und irgendwann reicht’s, da schaltet sich Larmoyanz deluxe ein, oben, da wo die Drähte zusammengelötet, und geht nicht mehr aus. Also wieder keine Zweisamkeit, wieder nur ein verreckter Flirt, der nicht satt macht nur Appetit.

Zärtlichkeit, in deinem Blick wiederentdeckt, den du mir zugestandest, anfangs zögerlich, dann doch konsequent. Den ich auffing und zwischen meinen Schultern barg. Zärtlichkeit, die ich der verabschiedenden Umarmung zufügte, möglicherweise etwas zu großzügig aber in jedem Fall angemessen. Die du aufsogst wie sonnenverbrannte Haut kühlende Après-Lotion. Und genau so roch es: Kokos, ein Hauch Meersalz und zwei Wochen Strandsonne und ich fuhr nach Hause und lächelte braungebrannt unter dem Bindfadenregen hindurch.

Gerda

day by day

An der Ringfingerspitzenkuppel einen Tunnel gegraben, tief, und doch nicht tief genug. Nicht tief genug, dass der Wind hindurchführe, der warme des heurigen Sommers, der oft genug regennass labende. Nicht tief genug, nicht einmal porentief und doch Narben tretend und das an einem Donnerstag. Den Freitag mit Fragen verbracht, den Samstag mit Nachtreten.

Sonntags dann genüsslich die Wanne geschrubbt und dabei den entstandenen, mittlerweile juckenden Schorf, abgekratzt. Die braunen Sprenkel auf dem blitzweißen Wannenboden in Szene gesetzt und mit der Lieblingskamera fotografiert. Den noch schlafenden Mitbewohner rechtzeitig bemerkt und mit der Frage nach den preferierten Brötchen erfolgreich abgelenkt.

Am Tisch dann um die Wette Croissants gekrümelt und dem Nutella vermissenden Gaumen Erdbeermarmelade untergeschoben. Am Kaffee erfreut und Punkt für Punkt die nächste Woche auf die To-do-List befördert. Die keifende Sehne an die Hantel genommen und ihr und den immer noch bloßen Füßen gezeigt wo der Hammer hängt. Hängen sollte. Hing. Endlich Schmerz.