Gestern

Kettenrauchende Promille

Als der letzte Akkord verklungen war, fiel sie für Momente zurück vor deine Tür, Señor Raul. Die holzige Tür, zu niedrig für jeden, der aus dem Norden kam, oft nur halbseitig geöffnet, dahinter der Raum. 6×6 Meter, von derben Tischen reichlich bevölkert, hinkenden Stühlen auch, unter niedriger Decke, gesäumt von gekachelten Wänden. Patina, seit Jahrzehnten hier überwinternd, die Luft zu ebenso nährreichem wie ungesundem Odem werden lassend.

Du begegnetest ihrem Blick bereits, bevor sie den Raum betrat, die Arme voller Bier unter dieser Decke voller Krüge und nur einem Bleistift direkt über der Theke baumelnd, mit deinem Lächeln. Begegnetest ihr mit den Augen Omar Sharifs hinter verrauchten Brillengläsern, die die Intensität nur unzureichend milderten, inmitten dieser sangriatrunkenen Enge, inmitten der die fünfsaitige Gitarren spielerisch überdröhnenden Stimme Pedros.

Üppig ist, was hier gefällt, deine seelenvolle, kettenrauchende hochschwangere Tochter, Señor Raul, jede Ratio in den Schatten stellend. Du, der du die weiße Sangria auch in Flaschen to go abfülltest, die Tische, die nie ausreichten. Diese nachtaffine Sehnsucht auch, die sich hier in flambiertem Chouriço und gemeinsam angestimmten und allein verlassenen Liedern äußerte. Die anschmiegsamen Promille, die jeden für eine Nacht in ihre Arme schlossen und dein Blick, Señor Raul, der ausnahmslos jeden zum Freund erhebt und sein Antlitz für die folgende Generation Gäste auf die lädierten Kacheln heftet.

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