Gestik

Mit verschränkten Armen

Bernadino-Blick

Ein Tag wie im Frühnebel. Ein Tag mit verschränkten Armen, die Augenlider bis mittags noch kaum über den Wimpernpass gehievt. Ein Tag wie ein Käseleib, salzig und schwer, herzhaft und ohne Rinde. Ein Tag wie auf dem Fingerboard verbracht. Ein Tag jenseits der Alpen.

Einen Tag lang Steine hüten und der Dämmerung den roten Teppich ausrollen. Den Regler aufdrehen. Die Knie umarmen. Unter die Haut kriechen. Adjektive adoptieren und die Ohrläppchen qua bloßem Willen durchbluten. Mit nackten, klammen Fingern durchs zu lang gewordene Haar fahren.

Ein Fußbad in Maronis nehmen. Hauptsätze auftürmen und Hirtenhunde zwischen plötzlich auftauchende Kommata jagen. Der Sprache den Atem nehmen. Hürden nehmen. Feigenvöllerei betreiben. Kurven gurgelnd dem Schulterschmerz ausweichen. Farbtupfer mit dem linken Ellbogen zerstieben, einen nach dem andern. Den Kompass mitten ins Grau hissen, Nadeln streifend.

Gestik

Der Mann in mir

…mag mein Lächeln.
Er seufzt verzückt beim sommerbedingt vermehrt anzutreffenden Anblick nackter Schenkel. Weigert sich Röcke zu tragen, auch in der schwülsten Julisonne, zieht stoisch kühles Bier jeder modischen Abkühlung vor.
Er leckt sich beim Anblick meiner erstmalig rot lackierten Fußnägel ins begierig geballte Fäustchen und arschbombt quietschvergnügt in den nächstbesten See, Zuschauer hin oder her.

Der Mann in mir trüge gern Fliege zum Etuikleid und Aftershave statt ängstlichem Gloss, Backenbart statt Lächelversuch, und bei Weitem lieber Knie statt Dekollete zu Schau. Am allerliebsten aber Dreitagebart und Muskelshirt. Er geht aufrecht noch im knatterhaftesten Hagelsturm, und trägt am liebsten rote Pullis. Er liebt leere Parks, nächtliche leere Parks mit einzelnen, verwittert zersplitterten Straßenlaternen, die er durchstreunt, mit so einer Weltenherrscher-Erhabenheit im Bauch.

Überhaupt der Bauch. Der Mann in mir hat selbstverständlich einen Bauch. Einen Bauch voller Sehnsucht nach Geborgenheit. Und Schultern à la “Gewöhn’ dich nicht zu sehr an mich”. Er ist der, der morgens aufsteht, die Tränen runterschluckt und dem Tag eine Chance gibt, verdient oder nicht.